Arndt

Zum Tod von Arndt Drechsler-Zakrzewski ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Ich möchte keine weitere Trauerrede halten, sondern ein paar persönliche Erinnerungen an ihn mit euch teilen.

Kennengelernt hab ich Arndt vor etwa 15 Jahren. Es war natürlich ein Con, es war natürlich eine Bar, in der wir uns getroffen haben. Da ist er gesessen, ein ungemein kräftiger Kerl, der sich lautstark mit einem Kollegen unterhalten hat. Ich gebe es zu: Ich hatte ungemeinen Respekt vor diesem Oberarmmuskel und dem conangleichen Handschlag zur Begrüßung. Eine bayrische Gnackwatschn von Arndt, so viel war mir klar, würde mich ein bis zwei Saltos schlagen lassen.
Er war respekteinflößend, aber auch freundlich und vereinnahmend. Die Nacht war letztlich recht kurz für uns beide, denn wir haben uns ausführlich über die vielen schlechten Seiten des weiblichen Geschlechts angeweint, bevor wir zu den guten Seiten gekommen sind und erstaunt festgestellt haben, dass diese sogar überwiegen. Jedenfalls war diese erste Unterhaltung ein wunderbarer Startpunkt für alle kommenden Zusammenarbeiten im Rahmen von PERRY RHODAN.

Arndt hat nicht nur ausgezeichnete Titelbilder gestaltet. Er hatte darüber hinaus ein Konzept für ein umfangreiches SF-Werk in der Schreibtischschublade, das er über lange Zeit hinweg erarbeitet und verfeinert hatte. Er war sehr überzeugt davon und hat es mir zum Lesen überlassen. Leider reicht die Erinnerung nicht mehr, um viel dazu sagen zu können. Fakt ist, dass die Brotarbeit, und das war nun mal die Covergestaltung, ihm keine Zeit gelassen hat, dieses Projekt weiter zu verfolgen.

Wir schmiedeten Pläne zu einem gemeinsamen Projekt und erarbeiteten ein prinzipielles Konzept. Beide waren wir bombenfest davon überzeugt. Ich denke nach wie vor, dass dieses Projekt ein (kleiner) Erfolg geworden wäre. Das Problem war, siehe oben, die Zeit für die Arbeit daran zu finden. Und beide waren/sind wir keine Verkäufer. Wir hätten unsere Ärsche hochbekommen und damit bei den drei, vier in Frage kommenden Verlagen hausieren gehen müssen.

Die Zusammenarbeit mit ihm bei PERRY RHODAN war einfach großartig. Manchmal haben wir telefoniert. In den letzten Jahren bin ich dazu übergegangen, ihm via Mail Beschreibungen der Bilder in meinem Kopf zu einem Cover zu liefern. Aber auch da hat es immer wieder Telefonate oder den Austausch von Mails/SMS/Messenger-Nachrichten gegeben.
Ich habe meist eine recht gute Vorstellung von dem, was auf die RHODAN-Titelbilder rauf sollte. Arndt war einer von zwei Künstlern, mit denen der Austausch besonders gut funktionierte, weil wir beide in Bildern dachten. Das Sonderbare und gleichzeitig Schöne war, dass seine Werke selten mal mit dem übereingestimmt haben, das ich mir vorgestellt hatte. Aber sie waren allesamt überzeugend gut.
Begeistert war ich immer von Arndts Intensität und seinem Ehrgeiz. Die Arbeit, die hinter manchen Bildern steckte, war immens.
Nächste Woche erscheint dann auch das letzte Bild, das er für einen meiner Romane geschaffen hat (PERRY RHODAN 3248). Ich habe ihm dazu eine recht komplexe Vorlage geliefert, von der ich wusste, dass sie nur schwer umzusetzen sein würde. Aber offenbar hatte er seine Freude daran und hat genau das eingefangen, das ich mir gewünscht hatte.

Beide waren wir Nachteulen. Unterhaltungen über den Facebook-Messenger haben gegen Mitternacht oder noch später stattgefunden. Arndt liebte österreichische Filme und Fernsehserien, darüber haben wir uns immer wieder unterhalten und tausende von Smileys hin- und hergeschickt. Erst durch ihn habe ich die Serie „Braunschlag“ kennen und lieben gelernt. (Wer derben österreichischen Humor mag, sollte unbedingt danach suchen.) Auch den „Kottan“ und den „Mundl“ (Serientitel: „Ein echter Wiener geht nicht unter“) hat er geliebt. Wie er überhaupt eine besondere Beziehung zu Wien hatte.

Mein Kurzgeschichtenband „Universum in der Tasche“ wird durch ein einfaches, aber geniales Cover von ihm geprägt. Auch für meine „Alte Eisen auf Reisen“-Tour hat er mir ein Logo gezeichnet, das ich immer wieder mal verwende. Verlangt hat er dafür – nix. Keinen Groschen. Er war halt großzügig und hat seine Arbeit geliebt, auch wenn sie ihm manchmal über den Kopf gewachsen ist.

Arndt ist nicht mehr da, und ich bedaure das zutiefst. Aber die schönen Erinnerungen an einen tollen Kerl, die trage ich in mir.

Die offizielle Meldung des PERRY RHODAN-Verlags VPM zu Arndt Drechsler-Zakrzewskis Tod findet sich hier: https://perry-rhodan.net/aktuelles/news/arndt-drechsler-zakrzewski-ist-gestorben

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