Vorab: Es gibt einige Spoiler in diesem Text. Daher wäre es für Interessierte ratsam, zuerst den PERRY-Roman zu lesen, über den ich hier ein paar Worte verliere.
Nieuw Amsterdam ist ein Pararealitäten-Roman – oder wie auch immer man diese Kunstform nennen mag, in der Perry Rhodan seine Heimat Terra in einer anderen Zeit und in einem anderen Setting erlebt, als der Leser es gewöhnt ist.
Ich hatte beim Lesen des Exposés durchaus meine Bedenken. Ein Was-wäre-wenn-Abenteuer ist nicht jedermanns Sache und mir war bewusst, dass ich die Dinge nicht zu weit auf die Spitze treiben durfte. Andererseits musst ich den Lesern recht schnell begreiflich machen, dass sie sich in einer völlig fremden Welt befinden, die mit dem PERRY-Kosmos nur wenig zu tun hatte. Es war ein bissl ein Balanceakt, diese beide Punkte in Einklang zu bringen.
Aber ich hatte eine Idee, mit der ich hoffte, vor allem langjährigen Lesern einen starken Bezug zur PERRY-„Realität“ zu geben: Ich wollte einige Frauen aus dem Leben des Unsterblichen zeigen und sie ein bißl charakterisieren. Dieser Gedanke war im Expo bereits angelegt, aber es hat sich schließlich ergeben, dass weitaus mehr aus dieser Idee wurde.
Ich hoffe, dass Thoras kühle Art ausreichend zur Geltung kommt und mir hat die Idee gefallen, dass in Perrys Wohnhaus einige weitere seiner früheren Gefährtinnen wohnten. Am liebsten aber war mir seine Begegnung mit Nikki Frickel.
Das Verhältnis zwischen den beiden wurde im Rahmen der Heftserie ja nie genauer beleuchtet – und mit diesem Element spiele ich in Nieuw Amsterdam ein bissl. Nikki sollte in diesem Roman als starke Frau rüberkommen, die in ihrer Entwicklung in einer prüden und regulierten Welt eingeschränkt ist, aber eigentlich einiges am Kasten hat. Ich bin tatsächlich ein wenig stolz auf die Dialoge, die Nikki und Perry führen. Da hatte ich das Gefühl, dass sie ihm in mancher Beziehung über wäre. Sie ist leidgeprüfte Mutter und kokettiert mit Perry. Sie bleibt locker, ist aber auch melancholisch. Und sie muss sich in einer sehr speziellen Alternativ-Version der USA bewähren, meist alleine gelassen von ihrem Mann.
Diese Szene hat sich wie von selbst geschrieben. Was ich anfänglich niemals geglaubt hätte, weil ich Nikki Frickel als Leser als langweilige Figur im Perryversum wahrgenommen hatte. Auf mich wirkte sie stets ein wenig klischeehaft – und ich hoffe, dass ich ihr mit dieser Szene ein paar Farbtupfer verpasst habe.
Wie so oft bin ich übrigens viel zu lang geworden mit meinem Manuskript. Ich musste etwa zehn Prozent meines Rohtextes löschen, um auf die richtige Länge zu kommen. Das bedeutet zwar jedes Mal Mehrarbeit, hilft meinen Romanen aber auch. Unmengen von Füllwörtern fallen weg – und auch Szenen, die einfach zu „schwach“ oder nichtssagend sind.
Natürlich musste ich die Handlung in Nieuw Amsterdam in den Rahmen der Erzählung einpassen, und die Leser sollten letztlich auch erfahren, was da eigentlich vor sich ging. Aber mein persönlicher Fokus lag auf Perry Rhodan als Privatjournalist. Als Figur in einer Welt, die so ganz anders ist als das, was wir bislang gelesen haben. Ich hoffe, dass euch dieser alternative Lebensentwurf beim Lesen Spaß bereitet hat.
Ach ja: Die rikshaähnlichen Fortbewegungsmittel hab ich in diesem Roman sehr gemocht. Umso besser war, dass Dirk Schulz eines dieser Gefährte fürs Cover großartig in Szene gesetzt hat.