Der andere Zeitsplitter

In meinem Mail-Ordner liegen einige ältere Nachrichten herum, die ich nicht löschen möchte. Sie sind für mich noch nicht »erledigt«. So findet sich zum Beispiel eine Korrespondenz mit Arndt Drechsler und in geringerem Umfang mit Klaus N. Frick, dem Chefredakteur des PERRY RHODAN-Verlags. Dieser Meinungsaustausch stammt aus dem Sommer 2017 und umfasst ein Projekt, das Arndt und ich mal starten wollten.

Worum ging es dabei?
Nun, die Idee entstand bei einer PERRY RHODAN-Veranstaltung abseits des großen Trubels. Arndt und ich plauderten planlos dahin, logen uns hemmungslos über die guten, alten Zeiten was vor und blieben natürlich bei PERRY RHODAN hängen. Wir erinnerten uns gemeinsam an das Buch Zeitsplitter, das gemeinsam von William Voltz und Alfred Kelsner geschaffen worden war. Alfred hatte damals noch nicht für den damaligen Moewig-Verlag gearbeitet, bei dem die PERRY RHODAN-Heftromanserie erschien,
»Zeitsplitter« war 1980 entstanden. Voltz setzte zu den farbenfrohen Bildern des Malers Kelsner Kurzgeschichten dazu, und so umfasste das Buch insgesamt 18 Geschichten, die im übergroßen Buchformat bei Moewig erschienen. Die Zeitsplitter also. Storys, die nix mit PERRY RHODAN zu tun hatten und die aus Autor wie Zeichner das jeweils beste hervorholten.

Arndt und ich seufzten sehnsüchtig vor uns hin. Wie toll das Buch mit seinem klassischen Silbereinband gewesen wäre, wie sehr wir beide diese Zusammenarbeit Kelsner/Voltz genossen hatten und wie schön es wäre, wenn …
… ja, wenn es wieder mal so etwas gäbe.

Ich weiß nicht mehr, wer diesen Gedanken zuerst aussprach – und es spielt letztlich keine Rolle. Wir beide registrierten mehr oder weniger verblüfft, dass wir Illustrator/Zeichner und Autor waren und wir so ein Projekt ja jederzeit in Angriff nehmen könnten, einfach mal so! Nur unter leicht veränderten Bedingungen: Arndt würde seine Fantasie spielen lassen und Bilder erschaffen, zu denen ich mir eine Geschichte einfallen lassen würde. Allerdings nur zur Hälfte der Storys. In der zweiten Hälfte des geplanten Buchs würde ich Geschichten erzählen – und es wäre Arndts Aufgabe, ein oder mehrere Bilder dazu zu gestalten.
Wir beide waren von unserer Idee enthusiasmiert und fast hätten wir vor Freude herumgetanzt. Den Gedanken, dass es von einer Idee bis zur tatsächlichen Ausführung ein harter, steiniger Weg ist, verdrängten wir beide. Wir würden dieses Projekt in Angriff nehmen, jawohl!

Der Katzenjammer folgte auf dem Fuß. Arndt und ich hatten völlig verdrängt, dass der Verlag Pabel-Moewig KG, wie Moewig im Jahr 2017 vermutlich hieß, keine Druckerei mehr und die Buchsparte aufgegeben hatte. Wir benötigten also einen Lizenznehmer, der bereit war, das Risiko einer Buchveröffentlichung auf sich zu nehmen. Ich kalkulierte damals mit einer verkauften Auflage von 2.000 Büchern, mit einer Zahl, die ich 2017 für realistisch hielt. Klaus sprach im Mailverkehr von weitaus niedrigeren Zahlen, mit denen wir kalkulieren sollten, und aus heutiger Sicht gebe ich ihm absolut recht.
Wir wollten uns anders als Kelsner und Voltz übrigens mit PERRY RHODAN-Motiven beschäftigen, die Bilder und Geschichten aber auch so gestalten, dass ein jeder SF-Fan die Storys »verstehen« würde.

Ein paar Monate lang setzten wir uns mit dieser Idee auseinander, mailten hin und her, telefonierten auch ein- oder zweimal zu dem Thema. Aber wie es oft so ist, ließ unser Schwung allmählich nach und die eigentliche Brotarbeit überrollte uns. Beide waren wir ordentlich ausgelastet. Wenn ich mal ein paar freie Stunden hatte, wollte ich sie nicht auch noch mit weiterem Geschichtenerfinden verbringen. Denn eigentlich wollten wir bei diesem Projekt in Vorleistung gehen und schon mal zwei Geschichten und Illustrationen parat haben, bevor wir bei potenziell interessierten Verlagen anklopften.
(Im Gespräch waren dazumals übrigens der Splitter Verlag, CrossCult und Fabylon, aber auch Edel. Auch vor dem Hintergrund, dass verlagsintern über PERRY RHODAN Band 3000 gesprochen wurde und dieses Buch »flankierend« zu diesem besonderen Ereignis erscheinen könnte.

Alle Verlage wissen und wussten nichts von unserem Vorhaben, so weit hat sich dieses Projekt nie fortentwickelt. Es hätte eines besonderen Kraftakts bedurft, um das geplante Buch mal richtig »anzutauchen« – und diesen Kraftakt haben Arndt und ich niemals zustande gebracht.

Letztlich blieb es also bei einer Idee und einer Form von Absichtserklärung, da mal was zu machen. Das Leben überrollte uns, in den Jahren darauf geriet das Projekt immer weiter in den Hintergrund. Aber ich habe es nie vergessen. Als Arndt im Herbst 2023 starb, war es wohl einer meiner ersten Gedanken, was wir beide NICHT gemacht hatten – und da gehörte definitiv dieses Zeitsplitter-Buch dazu.

Hier ein kleines Faksimile aus einem meiner Mails an Arndt im Winter 2017:

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Gerhard Hauer Gerhard Hauer sagt:

    cool.

    wäre Pflichtkauf gewesen.

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