In eigener Sache

Zwischen dem Bild meines frisch geputzten Motorrads und heute liegen auf den Tag genau vier Jahre. Am 6. Juli 2021 hab ich mein Motorrad sorgfältig bepackt und meine Ausrüstung ein letztes Mal überprüft. Anschließend bin zu meiner ersten Reiseetappe der Alte Eisen auf Reisen-Tour aufgebrochen (sie hat mich grad mal bis Graz zum dortigen PERRY-Stammtisch geführt).

Zwischen damals und heute liegen 160.000 gefahrene Kilometer auf ein und demselben Motorrad, eine Krebs-Operation, sechs oder sieben Umfaller der BMW, vier zerdepperte Koffer, drei gebrochene Schalt- und Kupplungshebel, ein (unverschuldeter) Unfall und einige Schrecksekunden, unzählige Reisebekanntschaften – und jede Menge großartige Eindrücke aus fast ganz Europa. Das Geld für diese Reiseaktivitäten habe ich mir großteils selbst verdient, indem ich meinen Beruf als Autor unterwegs ausgeübt habe. Unzählige PERRY RHODAN-Romane und auch die Exposés für zwei zwölfteilige Serien sind unterwegs entstanden.

Nein, ich habe nicht vor, in absehbarer Zeit mit dem Reisen aufzuhören. Ich fühle mich gesundheitlich gut und ich bin fit. Die Finanzen sind zwar immer ein Thema, aber irgendwie wurstle ich mich durch.

Allerdings wird’s bei meinen Schreibtätigkeiten größere Veränderungen geben. Die Arbeit an der Miniserie „Kartanin“ ist für mich seit letzter Woche so gut wie abgeschlossen. Und ich habe beschlossen, vorerst nix mehr für PERRY RHODAN zu machen. Er wird keine weiteren Romane von mir für die Erstauflage geben, zumindest nicht auf absehbare Zeit.

Die Gründe dafür sind banal: Ich hab in den letzten 20 Jahren mehr als 170 Geschichten fürs Perryversum verfasst. Kurzgeschichten, Heftromane und dicke Wälzer. Ich hab mich mit so gut wie jeder Facette des Perryversums beschäftigt und habe selbst Expos geschrieben. Ich war unter vier Expokratenteams aktiv, habe die Arbeit verflucht und genossen und habe mich auch im eigentlich privaten Bereich intensiv mit PERRY RHODAN beschäftigt. Heuer im Frühjahr hab ich dann bemerkt: Es reicht jetzt mal.

Ein PERRY-Text hat für mich immer etwas Einzigartiges sein müssen. Ich hab mich bemüht, in jeden einzelnen Roman neue Elemente einzubauen. Eine neue Figurenkonstellation, eine ungewöhnliche Perspektive, einen besonderen Gedanken zum Zwischenmenschlichen oder zum Zusammenleben mit Außerirdischen. Ich hab mit formalen Elementen gespielt, hab aus der „Hochliteratur“ zitiert, hab mit Sprache gespielt. Nicht immer was das für den Leser offensichtlich, aber ich hab es gewusst, und das war meine kleine, stille Freude, die mir die Arbeit versüßt hat.

Letztens ist mir das nicht mehr gelungen. Und da hab ich gewusst, daß es für mich an der Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich nenne es mal „eine Pause auf unbestimmte Zeit“. Mag sein, dass es mich in zwei Monaten wieder packt, ich genügend Energie getankt habe – und mich die PERRY-Verantwortlichen wieder mit im Team dabeihaben wollen. Mag auch sein, dass es ein Abschied für immer ist.

Wenn ihr diesen Text lest, werdet ihr vielleicht denken, dass ich da zwei Dinge vermenge, die gar nix miteinander zu tun haben. Das eine ist meine Alte Eisen auf Reisen-Tour, das andere meine beruflichen Aussichten.
Nun, beides gehört für mich seit einiger Zeit unabdingbar zusammen. Die Motorradreisen haben meinen Blick auf die Welt deutlich verändert. In diesen vier Jahren ist wirklich viel passiert. Was ich unterwegs erlebe, hat natürlich Einfluss auf auf mein Wesen, auf meine Gebarungen, auf meine Perspektive.

Ich sage es, wie es ist: Ohne die Einnahmen von PERRY RHODAN sieht es finanziell düster für mich aus. Wie düster, werden die nächsten Monate zeigen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich selbst derart unter Druck setze. Ich funktioniere besser, wenn ich der Beschaulichkeit eines fixen „Jobs“ entkomme und gezwungen bin, neue Lebensentwürfe, neue berufliche Perspektiven zu entdecken. Mindestens dreimal hab ich meine Existenz komplett umgekrempelt – und es ist jedes Mal einigermaßen gut gegangen. Werma schaun, ob ich es diesmal auch wieder hinbekomme.

Eines steht fest: Ich werde mich weiterhin mit dem Schreiben beschäftigen. Es gibt ein großes Projekt, das ich mal ganz banal unter dem Titel „Krimi“ ablege. Dazu möchte ich mich nochmals mit meinen eigenständigen Romanen im Bereich SF und Fantasy beschäftigen, die in den Jahren 2008 bis 2017 entstanden sind und deren Rechte ich wiedererlangt habe. Ich möchte auch spaßhalber bei anderen Heftromanserien Einzelromane anbieten und generell mal ausprobieren, was mich denn noch alles so interessiert. Vielleicht bin ich ja der geborene Heimatromanschriftsteller und weiß es bloß nicht?
Meine Schreibcamps … Vielleicht zahlt es sich aus, in diesem Bereich mehr zu machen? Sie laufen seit weit über zehn Jahren und ich hab mich in diesem Bereich stets eingeschränkt. Aber spricht etwas dagegen, dreimal oder gar öfter mein Autorenwissen an KollegInnen weiterzugeben?
Auch mit meinen Reisebüchern und deren besserer Vermarktung möchte ich mich auseinandersetzen. Vielleicht mache ich mehr Vorträge, in denen ich von meinen Reiseaktivitäten erzähle. Dabei geht’s aber nur marginal ums Motorradfahren, sondern viel mehr um Themen wie neu gefundene Selbstzufriedenheit, das Überwinden von Herausforderungen und wie verdammt schön das Leben sein kann, wenn man sich erlaubt, aus Zwängen auszubrechen.

Wie auch immer: Ich bin 62 Jahre alt. So etwas wie Pension/Rente ist für mich noch weit, weit weg. Darauf hab ich echt keine Lust. Also werd ich in den nächsten Monaten sehr viele neue Herausforderungen angehen – und gleichzeitig meine Reisen fortsetzen. Zumindest die hab ich bereits bis weit in den Herbst hinein geplant (hier darf der Zusatz nicht fehlen: sofern das Geld reicht).

Ich hab gehörigen Schiss vor dieser neuen Zeit. Aber diese Angst vor dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts gehört nun mal dazu.

Lasst mich zuletzt noch auf meine Patreon-Seite hinweisen. Dort sammle ich Gelder für meine Reiseaktivitäten (und ausschließlich für die!). Patrons, die mich bei meinen Motorradfahrten unterstützen, bekommen dafür Gegenleistungen. Es gibt Bilder, Geschichten, Podcasts, Videos, Bücher – oder ich komme euch besuchen und erzähle persönlich von meinen Reiseerlebnissen!
Seht euch doch einfach mal um: https://www.patreon.com/c/MichaelMarcusThurner

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Spannend! Ich drücke dir alle Daumen, auch wenn ich es natürlich schade finde, dich nicht mehr bei PR zu lesen. Aber vielleicht dafür ja demnächst mal wieder bei Maddrax, Herr Kollege. 😉

    1. Avatar von mmthurner mmthurner sagt:

      Danke! Kann durchaus sein, daß ich Mike mal wegen eines MX frage. Werma schaun.

  2. Lieber MMT,die Nachricht stimmt mich traurig. Ausgerechnet jetzt? Nach dieser brillanten Terrania-Trilogie und den wunderbaren Romanen mit Gry O‘Shann

    1. Avatar von mmthurner mmthurner sagt:

      Servus Klaus,

      es ist halt eine Entscheidung mit persönlichem Hintergrund. Sie ist gegen niemanden gerichtet. Ich brauch diesen Abstand halt und ich bitte Dich, das zu verstehen. Wobei ich schon sagen muß, daß mir Gry O’Shannon und die Terrania-Ebene in den 3200ern sehr viel Freude bereitet hat.

      Schöne Grüße

      Michael

      1. Servus Michael,tut mir leid, wenn ich me

  3. Avatar von Rainer Stache Rainer Stache sagt:

    Lieber MMT, das ist für mich eine schockierende Nachricht. Auch wenn die Serie in letzter Zeit einen Stamm von sehr guten Autoren aufgebaut hat, warst Du immer ein Garant für tolle Romane. Mithin unter dem Strich der beste und zuverlässigste, der geistreichste und sympathischste Autor der aktuellen Generation (wenn man mal den extragalaktischen WV II außer Acht lässt). Ich habe auch keinen Qualitätsabfall in letzter Zeit bemerken können. Vielleicht treiben Dich unbegründete Selbstzweifel oder eine Spät-Life-Crisis? Diese kurzen Zeilen werden Dich jedenfalls nicht umstimmen können, aber vielleicht legt mein tiefempfundenes Bedauern einen Nukleus, bald wieder, vielleicht mit anderem Ansatz, zurückzukehren.

    Viele Grüße und alles Gute, Rainer

    1. Avatar von mmthurner mmthurner sagt:

      Servus Rainer,

      danke für die netten Worte.
      Selbstreflektion ist ja immer eine subjektive Angelegenheit, aber es gibt auch Elemente bei meiner Entscheidung, die ich objektiv werten und bewerten kann. So habe ich z.B. bei meinem letzten Roman (3321) und bei einem eigentlich guten Expo drei Monate statt vier Wochen gebraucht, um ein Manuskript draus zu machen. Da hab ich mich lange mit der Frage nach dem „Warum“ beschäftigt – und letztlich eine Entscheidung getroffen.
      Ich brauch jetzt mal Abstand zu PR. Werma schaun, was die nächsten Monate so bringen … 

      Schöne Grüße und danke nochmals

      Michael

  4. Avatar von Michi Michi sagt:

    Lieber MMT,

    find ich schade, weil ich deine PR-Romane (egal um welches Thema es ging) immer sehr lesenswert fand. Da steckte immer sehr viel drin; ich hatte immer den Eindruck, dass du sehr viel mehr ablieferst und abliefern willst, als es von Exposé & Co her nötig gewesen wäre. All diese Einfälle, all diese Details … dass man sowas nicht dauernd aus dem Ärmel schütteln kann, hab ich schon vermutet, hatte auch immer das Gefühl, dass du für deine PR-Romane tendenziell länger brauchst als viele deiner Kollegen.

    Insofern kommt’s auch nicht ganz überraschend, von dir zu lesen, dass erstmal Schluss ist, weil es nicht mehr so „flutscht“ wie früher. Weil du eben diesen hohen Anspruch an dich selbst hast.

    Schade ist es natürlich trotzdem! Vielleicht kommst du als Gastautor für besondere Romane zurück, quasi der Wiener Eschbach? 😉

    Ansonsten würde ich mich aber auch sehr über einen neuen SF-Roman von dir freuen! Hast du da noch Ideen, die dringend aus dir raus müssen?

    Viele Grüße,

    Michi

    1. Avatar von mmthurner mmthurner sagt:

      Servus Michi,

      Danke für die netten Worte.
      Die PERRY-Redaktion hält mir die Türe offen, sollte ich zurückkommen wollen. Aber momentan brauch ich einfach mal eine Auszeit. Es ist mir einfach zu viel Routine, dieses Gefühl muß ich mal aus mir rausbekommen. Ob es dann so etwas wie bei Eschbach wird oder ob ich wieder voll einsteige – aus heutiger Sicht ist echt alles möglich.

      Ich konzentrier mich jetzt mal auf meine eigenen Sachen – und da stehen unter anderem meine beiden SF-Romane, die vor ca. 15 Jahren bei Heyne erschienen sind, auf der Todo-Liste. Vielleicht kommt da ein dritter Band, vielleicht bearbeite ich auch nur (die Rechte gehören wieder mir). Mehr als diese vagen Auskünfte kann ich Dir derzeit nicht geben, sorry.

      Schöne Grüße

      Michael

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