Ich bin hauptberuflich Autor und darüber hinaus seit viereinhalb Jahren fast durchgehend mit dem Motorrad unterwegs. Ich bin in der glücklichen Lage, diese beiden Pole meines Lebens miteinander verbinden zu können. Ich schreibe nächtens im Zelt, in Pensionen, Jugendherbergen oder Hotels, untertags sitze ich auf dem Bike und er-fahre die Welt (beziehungsweise Europa).
Eben erst bin ich von einer dreimonatigen Reise zurück nach Wien gekommen. Den Spätsommer über war ich in Skandinavien unterwegs (hauptsächlich Schweden und Norwegen). Anschließend hat’s mich nach Mallorca geführt, mit Zwischenaufenthalten in den Westalpen und den Pyrenäen. Die nächsten Wochen verbringe ich in Wien, aber eigentlich feile ich schon wieder an der Reiseplanung fürs Jahr 2026 (Kreta? Island? Marokko?).
Ich bin mittlerweile 62 Jahre alt, der Blick nach vorne bietet also nicht mehr so viel wie die Erinnerungen an all das, was ich bereits erlebt habe. Ich möchte nützen, was mir an Zeit bei einigermaßen guter Gesundheit zur Verfügung steht. Eine Unterbrechung dieser fast durchgehenden Tour, der ich von Anfang an den Namen Alte Eisen auf Reisen gegeben habe, kommt für mich derzeit nicht in Frage. Falsch: Sie kommt für mich heute weniger als je zuvor in Frage.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich 2021 und 2022 von längeren Touren nach Österreich zurückgekehrt bin und mich drauf gefreut habe, wieder zu Hause zu sein. Heute ist das anders: Wenn ich mich, so wie jetzt, in Wien aufhalte, freue ich mich, bald schon wieder wegfahren zu können. – Seht ihr den markanten Unterschied?
Ich brauche mich keinen Illusionen hingeben: Das Reisen verschlingt Geld, Nerven und Substanz. Aber es gibt mir auf einer anderen Seite unendlich viel. Es ist, als hätte ich jahrzehntelang darauf hingearbeitet, dieses Leben führen zu dürfen. Um es mit einem Wolfgang Ambros-Plattentitel zu paraphrasieren: Ich bin Verwahrlost, aber frei. Haus, Wohlstand, vielleicht auch eine tragfähige Beziehung – das alles hat für mich derzeit keine Bedeutung. Mir geht es um die neuen Horizonte, die sich vor mir auftun. Um fremde Länder, Menschen und Kulturen. Dies alles ist ein derart großer Gewinn – und er wiegt alle Nachteile locker auf, mit denen ich zurechtkommen muss.
Nun erzwingen die Umstände eine Veränderung, die mein Leben noch weiter in Richtung der Reisetätigkeiten verlagert: Ich muss meine Wohnung in Wien aufgeben – und ich habe beschlossen, keine neue zu suchen. Ich habe ohnedies die Möglichkeit, bei Freunden und Verwandten unterzukommen, wenn ich zwischendurch nach Österreich zurückkehre. In Kärnten hab ich auch eine kleine Ferienwohnung, die ich nutzen kann. Aber im Prinzip löse ich meinen Haushalt in den nächsten Wochen auf. Manche Dinge, die es mir wert sind, lagere ich ein, aber den größten Teil meines Zeugs entsorge ich oder schenke ich weiter. Besitz belastet nun mal, und dieser weise Spruch trifft ganz besonders auf mich und meine derzeitige Situation zu.
Wie es beruflich weitergeht – das ist ein weiteres großes Abenteuer für mich. Ich habe 20 Jahre lang für die Science Fiction-Serie PERRY RHODAN geschrieben und heuer im Frühjahr beschlossen, eine Pause einzulegen. Ich werde den einen oder anderen Heftroman bei anderen Verlagen veröffentlichen, einfach aus Spaß an der Freud. Ich möchte versuchen, mir mit Reisebüchern ein weiteres Standbein aufzubauen, ich werde weiterhin Schreibcamps veranstalten. Vielleicht kehre ich irgendwann zu PERRY RHODAN zurück, das wird die Zukunft weisen.
Vorerst denke ich nicht daran..
Ich bin grundoptimistisch. Ich freue mich auf die Zeiten der Unsicherheit, die vor mir liegen. Eine jede Veränderung bringt neue Chancen mit sich. Ich bin neugierig, was das weitere Leben für mich bereithält.
Ich möchte an dieser Stelle wieder mal auf meine Patreon-Seite hinweisen. Patreon definiert sich als Schnittstelle zwischen Künstler und Unterstützern. Ich bekomme von meinen »Patrons« regelmäßig, monatlich Zahlungen ab 2 Euro (zzgl. MwSt) und ermögliche ihnen dafür Zugriff auf Leistungen wie Reiseberichte, exklusive Bilder, Videos etc. Ich biete sogar einen persönlichen Besuch an, wo auch immer Du im deutschsprachigen Raum zu Hause bist).
Diese Patreon-Gelder investiere ich ausschließlich in meine Reisetätigkeiten, die haben also mit meiner sonstigen Lebensführung nix zu tun.
Zu finden bin ich auf Patreon hier: https://www.patreon.com/c/MichaelMarcusThurner. Klar, man muss sich anmelden und das stellt für viele Leute eine gewisse Überwindung dar. Aber Patreon ist ein buntes Paradies für Künstler aller Art. Ihr werdet verwundert sein, wer sich dort aller herumtummelt.
So. Und jetzt heißt es für mich: weiter Koffer packen und Zeugs aussortieren.
Hi ich hatte Dir gerade einen längeren Kommentar geschickt, aber WordPress wollte mein Passwort nicht. Sag mal bitte Bescheid, ob trotzdem was angekommen ist… Rainer
Servus Rainer,
nein, sorry, dieser längere Kommentar ist nicht bei mir angekommen.
Schöne Grüße
Michael
OK, also nochmal kurz, was mir noch erinnerlich ist:
Ich freue mich, dass Du Deinen Lebenssinn gefunden hast. Eine kleine
Alarmglocke klingelt allerdings, denn ich assoziiere „Bulimie“, d.h.
dass Du Dich möglicherweise (wirklich nur vielleicht!) so auf die
Reiserei fixieren könntest, dass Du die soziale Kontrolle verlierst.
Irgendwann musst Du ja mal wieder in die triste Wirklichkeit
zurückkommen. Nur eine Idee. Aber was rede ich, der selber nur 5 Monate
im Jahr zuhause ist. Allerdings springe ich ganz spießig von einem
Lebensmittelpunkt zum anderen. Darf ich auch, weil ich ja schon älter
bin. Mache ich aber auch schon seit 20 Jahren.
Wie auch immer, wenn Dein Motorrad Dich mal nach Berlin fahren sollte,
bist Du bei mir herzlich willkommen – auch wenn ich kein Patreon bin.
Als ich noch den Beobachter geschrieben habe, habe ich es nie geschafft,
Dich mal zu interviewen, obwohl ich das immer wollte. Vielleicht kann
man den Gedankenaustausch nun in aller Form nachholen.
Ansonsten:
Gute Reise(n)
Rainer
Servus Rainer, ich bin vom Menschentypus her in einem Modus der Dauer-Selbstreflektion. Das, was Du mit „Gesellschafts-Bulimie“ bezeichnest, hab ich generell immer im Blickwinkel. Klar, die Gefahr besteht. Aber ich leb von meiner Anlage her immer schon sehr zurückgezogen. Alleinsein war für mich immer angenehm, ich brauche nur selten Leute um mich, oder anders gesagt: Veranstaltungen wie Cons z.B. sind für mich belastend und anstrengend. Ich freu mich, bekannte Gesichter zu sehen und zu plaudern, aber ich klapp nach so einem Con schon mal wegen der zu vielen Eindrücke zusammen. Ich kann das – aber es entspricht nicht unbedingt der Wunschvorstellung von einem tollen Leben. Ich erzähle das so lange und breit, damit Du weiÃt, daà Alleinsein für mich generell ein angenehmer Zustand ist und ich deshalb keine Gefahr sehe, wenn ich viel alleine unterwegs bin. Ob und wie ich von diesem Reise-High irgendwann mal runterkomme und in die „Tristesse“ eines ruhigen Lebens eintauche – das werd ich halt dann sehen, wenn es so weit ist. Ich mach mir da keine groÃen Sorgen. Danke für das Berliner Angebot. In Berlin war ich tatsächlich noch nie. Vielleicht ergibt sich das ja mal in den nächsten Jahren. Schöne GrüÃe Michael
Gesendet: Freitag, 28. November 2025 um 05:16 Von: „Michael Marcus Thurner“ <comment-reply@wordpress.com> An: scrapid@gmx.at Betreff: [Michael Marcus Thurner] rainerrhodan hat Das Motorradfahren und das Leben – in eigener Sache kommentiert
Michael Marcus Thurner
Neuer Kommentar!
rainerrhodan hat gerade Das Motorradfahren und das Leben – in eigener Sache kommentiert.
Als Antwort auf mmthurner: Servus Rainer, nein, sorry, dieser längere Kommentar ist nicht bei mir angekommen. Schöne GrüÃe Michael
OK, also nochmal kurz, was mir noch erinnerlich ist:Ich freue mich, dass Du Deinen Lebenssinn gefunden hast. Eine kleineAlarmglocke klingelt allerdings, denn ich assoziiere „Bulimie“, d.h.dass Du Dich möglicherweise (wirklich nur vielleicht!) so auf dieReiserei fixieren könntest, dass Du die sozia
Hi, Danke, für Deine beruhigende Erklärung. Mit einem Berlinbesuch könnte man z.B. Sachsen Thüringen und Böhmen verbinden. Soviel zu sehen, viel Natürlichkeit und Natur, viel alte Kultur, viele ehrlich Menschen. Für Berlin ist wichtig, dass ich da nur von Mai bis September bin und dass ich nicht jünger werde. Wär schön, wenn Du es einrichten könntest. Viele Grüße, Rainer